Konstruktionsmechaniker/in Feinblechbautechnik

Azubi Melanie Klare reisst Metall an der Werkbank an

Let’s MINT Ausbildungsbetrieb

HÖCKER POLYTECHNIK GmbH, Hilter

Dauer der Ausbildung:

3,5 Jahre in Betrieb und Schule

Schulabschluss:

70 % der Ausbildungsanfänger hatten 2010 einen Realschulabschluss und über 20 % Abitur.

Vom Kotflügel bis zum Space Shuttle

Ob der stromlinienförmige Kotflügel des neuesten Automodells, die Kabine eines Flugzeugs oder die Schutzhülle eines Space Shuttle – immer wenn’s im Metallbau um das Feine geht, bist du gefragt. Konstruktionsmechaniker/innen mit der Fachrichtung Feinblechbautechnik stellen im Gegensatz zu ihren Kollegen aus dem Maschinen- und Anlagenbau eher leichtere Konstruktionen her. Auch wenn der Bau von Raketen nicht gerade die Regel ist: Du musst als Konstruktionsmechaniker/in im Feinblechbau auf jeden Fall sehr genau und sorgfältig arbeiten können.

Handwerker mit Sorgfalt und Geschick

Als Vorlage dient dir die technische Zeichnung, also der detaillierte Bauplan. Danach stellst du die Bauteile selber her, schneidest Bleche aus – zum Beispiel mit einer Lasersäge, biegst und kantest, bohrst und schweißt bis dein Bauteil fertig ist. Häufig sind das Gehäuse aus Blech für technische Apparate und Maschinen, wie Filter- oder Absauganlagen, oder Rohrteile und Schächte für den Karosseriebau. Manchmal baust du die Anlagen auch beim Kunden auf, gehst also auch auf Reisen. Neben technischem Verständnis hast du handwerkliches Geschick und du arbeitest gerne sehr sorgfältig. Außerdem bist du ein Mensch, der gerne zupackt. Denn gerade im Feinblechbau gibt es auch noch Handarbeit mit Hammer oder Presse.

Daran solltest du Spaß haben:

Technische Zeichnungen lesen, verstehen, umsetzen

Genauigkeit und Sorgfalt

Selbständig im Team arbeiten und zupacken können

Konstruktionsmechaniker/in Feinblechbautechnik

Konstruktionsmechanikerin misst den Winkel eines Bauteiles aus Metall

Schulfächer, die den Durchblick erleichtern:

Mathematik, Physik, Werken, Technik

Persönliche Eigenschaften, die nützlich sind:

Sorgfalt, Teamfähigkeit

Was die Let’s MINT-Ausbildungsbetriebe erwarten:

Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität

Insider-Tipp:

„In diesem Beruf muss man sehr genau und sorgfältig arbeiten können. Die Arbeit ist zwar körperlich nicht schwer. Aber man darf sich auch nicht zu fein sein, zuzupacken. Es wird auch mal dreckig – schließlich arbeiten wir in einer Werkstatt. Wegen der Maschinen kann es auch laut werden, aber dafür gibt es ja Gehörschutz.“

Melanie Klare, Konstruktionsmechanikerin HÖCKER POLYTECHNIK

„Man muss offen sein gegenüber den Kollegen und andere ansprechen, wenn man sich nicht selbst zu helfen weiß. Außerdem ist vorausschauendes logisches Denken wichtig. Ich muss wissen, wenn ich hier etwas kante oder umbiege, welche Auswirkungen das auf das gesamte Bauteil hat.“

Achim Kinzig, Meister und Ausbilder HÖCKER POLYTECHNIK  

Konstruktionsmechaniker/in Feinblechbautechnik

Azubi Melanie steht mit Kollegem vor einer großen Laserschneidanlage und gibt Daten ein

Ein Tag mit:

Melanie Klare, Fachabitur, während ihres 2. Ausbildungsjahres zur Konstruktionsmechanikerin Feinblechbautechnik bei HÖCKER POLYTECHNIK, Hilter

Am Anfang steht die Zeichnung

Arbeitsbeginn ist immer um 6.30 Uhr. Das ist zwar recht früh, aber dafür ist bin ich auch relativ früh zu Hause und kann den Nachmittag noch nutzen. Meistens hole ich mir morgens meine Arbeitsaufträge für den Tag mit den entsprechenden Zeichnungen im Meisterbüro ab. Um richtig mit der Arbeit starten zu können, müssen erstmal die Zeichnungen gelesen werden. Zu Anfang wirkten einige Zeichnungen recht unübersichtlich und ich brauchte länger, um sie zu verstehen. Das legt sich aber mit der Zeit. Anschließend hole ich alle Teile und Werkzeuge, die nicht am Arbeitsplatz vorhanden sind, aus dem Magazin. Die benötigten Bleche laser ich im Zuschnitt aus. Wenn um 9 Uhr Frühstückspause ist, habe ich schon ziemlichen Hunger.

Arbeiten auf den Millimeter genau

Nach dem Frühstück reiße ich die Maße zum Kanten und Bohren auf den Blechteilen an. Das Anreißen ist ein Teilbereich der Fertigung, bei dem man mit speziellem Werkzeug wie der Reißnadel Linien und Punkte in das Metall ritzt. Dabei muss ich sehr genau arbeiten. Schon ein Millimeter Ungenauigkeit reicht und die Teile passen am Ende nicht wie vorgesehen zusammen. Es ist ganz wichtig, alle Maße der Zeichnung genau auf das Werkstück zu übertragen. Auch beim Bohren muss ich sehr sorgfältig arbeiten. Wenn der Gewindebohrer zum Beispiel nicht hundertprozentig gerade steht, verkantet er sich und bricht ab.

Kanten, Schweißen, Schleifen

Im Anschluss geht’s an die Kantbank. Nachdem ich die Bank eingestellt habe, kann ich alle vorgesehenen Seiten kanten, das heißt umbiegen. Hier ist es wichtig, dass die Metallteile genau im vorgesehenen Winkel gekantet werden. Das kontrolliere ich später noch mit einem Winkelmesser. Der letzte große Arbeitsschritt ist das Schweißen. Damit die Schweißnähte ordentlich werden, sollte auf Blechresten eine Probeschweißnaht gemacht werden, um zu sehen, ob das Schweißgerät richtig für die Blechstärke eingestellt ist. Alle Schweißnähte am Werkstück schleife ich zum Schluss leicht über und kontrolliere sie auf saubere Arbeit. Bei Mängeln arbeite ich die Nähte nach und schleife sie erneut über. Das wiederhole ich solange, bis alle Nähte in Ordnung sind. Einige Teile reinige ich noch und lackiere sie. Das fertige Werkstück erhält einen Aufkleber mit der Kommission, für die es bestimmt ist und wird zwischengelagert, bis es jemand benötigt.

Fit an verschiedenen Arbeitsplätzen

Während der Arbeit bekomme ich vom Meister schon die Information, dass ich später ins Magazin (Lager) wechseln soll, um dort auszuhelfen. Daher räume ich meinen Arbeitsplatz noch vor der Mittagspause auf und bringe alle Werkzeuge zurück. Im Magazin stelle ich Montagematerial anhand von Listen zusammen und packe es anschließend in Kartons oder auf Paletten. Der Fachausdruck dafür ist Kommissionieren. Zwischendurch müssen noch Aufträge vom Versand zusammengestellt werden. Außerdem gebe ich Kollegen noch Werkzeuge oder Arbeitsmaterialien heraus, die sie gerade für ihre Aufträge brauchen.

Die Kollegen helfen immer

Jeden der erledigten Arbeitsschritte konnte ich natürlich nicht sofort und so gut, dass ich einen Kundenauftrag erledigen konnte. Alles wird ausführlich in Ruhe geübt und falls ich dennoch ein Problem habe oder nicht weiter komme, kann ich jederzeit Kollegen fragen und bekomme Hilfe, Tipps und Erklärungen, wie es funktioniert oder am einfachsten ist. Auch bei Teilen, die ich allein nicht bewältigen kann, helfen mir Kollegen.

Konstruktionsmechaniker/in Feinblechbautechnik

Azubi Melanie mit Schutzmaske und Punktschweißgerät

Azubi-Interview mit Melanie Klare

Wie bist du darauf gekommen, eine Ausbildung in einem gewerblich-technischen Beruf zu machen?

„Weil ich auf keinen Fall den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen möchte, und ich wollte immer etwas Technisches machen und mit Maschinen arbeiten.“

Du bist die erste weibliche Auszubildende hier bei HÖCKER POYTECHNIK? Wie gehen Deine Kollegen damit um?

Am Anfang haben sie etwas sparsam geguckt, aber jetzt ist das kein Thema mehr. Alle sind nett und helfen mir, wenn etwas ist. Natürlich gibt es dumme Sprüche aber die bekommt jeder zu hören. Aber das macht mir nichts. Ich mache Judo, da bin ich auch das einzige Mädchen. Ich bin das also gewohnt.

Hast Du einen Tipp für Mädchen, die sich auch für eine gewerblich-technische Ausbildung interessieren?

Nicht unterkriegen lassen. Wenn die Sprüche von Kollegen mal blöd werden, einfach weghören. Und wenn das nicht nützt, klar seine Meinung sagen.

Wie stellst Du Dir deine berufliche Zukunft vor?

Ich möchte mich auf jeden Fall weiterqualifizieren, aber wie weiß ich noch nicht. Vielleicht arbeite ich auch erst einmal eine Zeit in meinem  Beruf.

Konstruktionsmechaniker/in Feinblechbautechnik

Weiterqualifizierungen

Meister/in: z.B. Industriemeister/in Metall / Dauer: Vollzeit ca. 6 bis 12 Monate, Teilzeit ca. 1 1/2 bis 3 1/2 Jahre, Fernunterricht ca. 30 Monate

Techniker/in: z.B. staatl. gepr. Techniker/in Metallbautechnik / Dauer: Vollzeit 2 Jahre

Studium: z.B. Ingenieur/in Stahl- und Metallbau / Dauer: ca. 3 Jahre

Jobmöglichkeiten

Als Facharbeiter/in: Herstellung von Stahlbau- und Blechkonstruktionen, Fertigung und Montage Verfahren einzelne Bauteile aus Blechen, Profilen sowie Rohren

Als Meister/in: z.B. Industriemeister/in Metall: Fach- und Führungsaufgaben in allen betrieblichen Funktionsbereichen der Metallindustrie, insbesondere in der Fertigung und Montage von Metallerzeugnissen und Maschinen aller Art

Als Techniker/in: z.B. staatl. gepr. Techniker/in Metallbautechnik: Konstruktion und Berechnung von Stahlbau- und Metallbaukonstruktionen, Planung und Organisation der Fertigung und Montage sowie die Instandhaltung und Kalkulation, Kundenservice und technischer Vertrieb

Mit Hochschulabschluss: z.B. Ingenieur/in Stahl- und Metallbau: Planung, Konstruktion und Bemessung von Bauwerken, baulichen Anlagen und Bauteilen wie Träger oder Fenster aus Metall, Leitungsaufgaben in der Herstellung von Bauteilen oder der Ausführung von Baumaßnahmen